Gerd Holl

Gerd 11.2014 von Tim


Ich heiße Gerd Holl. Ich bin Hauptschullehrer und das mit ganzer Seele seit den späten 70er Jahren. Als ich 1997 gefragt wurde, ob ich einen Kollegen kennen würde, der sich für ein Schulverweigererprojekt engagieren würde, hab ich nur kurz mit meiner Kollegin Carola Weinhold überlegen müssen und gesagt: Wir beide machen das. Damit brach eine der spannendsten Zeiten in meinem Berufsleben an: wir konnten einen ganz neuen und unbekannten Bereich schaffen. Das meine ich räumlich wie pädagogisch: Schule nicht in einer Schule machen können, mit Jugendlichen, die nicht mehr in die Schule gehen wollen; so recht konnten wir uns das nicht vorstellen. Wir hatten aber schnell unseren Leitsatz gefunden: Mit Lust und Mut. Das hält bis heute an. Und ich freue mich auch nach achtzehn Jahren noch auf jeden Tag in der w.hip spitzenklasse. Und immer wieder gibt es nie geahnte Überraschungen: Im Februar bekamen wir einen Anruf aus Frankreich. Wir wurden gefragt, ob wir uns eine Begegnung mit Jugendlichen aus Tourcoing vorstellen könnten, die nicht regelmäßig in die Schule gingen. Wir konnten, und jetzt haben wir die erste Runde erlebt und arbeiten an einer Konzeption, die uns die Fortführung erlaubt.

Ach so: gelernt habe ich Kunst, Deutsch und Erdkunde, aber in einer Hauptschule sind alle KollegInnen bereit, auch fachfremd zu unterrichten. Ich lege Wert auf eine politische Bildung und ein solides Allgemeinwissen und bin eher etwas ärgerlich, wenn mir Menschen gegenüber stehen, die sich für Nichts interessieren lassen. Deshalb müssen sich unsere Jugendlichen immer wieder auf vollkommen Unbekanntes einlassen. So haben wir aktuell das Angebot, mit einer französischen "gleichgesinnten" Gruppe in einen internationalen Austausch zu kommen, wahrgenommen (s. Projekte). Das war zunächst anstrengend, aber auch etwas ganz Neues und Exklusives. Wenn die Jugendlichen standhalten, dann haben sie einen riesen Schritt gemacht. Das Scheitern kennen sie ja schon.

Ganz viel Spaß macht mir das gemeinsame Kochen. Eigentlich müsste auch längst unsere "spitzenküche" als online-Kochbuch auf der homepage erschienen sein... Was nicht ist, kann ja noch werden.

Seit vielen Jahren bin ich einer der Vorsitzenden des Stadtverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Hier sind wir ganz nah dran an der Schulpolitik des Landes und der Stadt und engagieren uns für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. GEW Wuppertal

Seit 2011 engagiere ich mich mit vielen Freunden, tunesische Freunde - oft Kolleginnen und Kollegen - dabei zu unterstützen, den Demokratisierungsprozess des Landes und die nachhaltige Entwicklung unserer Partnerregion im Nordwesten des Landes nach vorne zu bringen und durchzustehen. Tabarka e.V.

Für unsere eigenen Kinder haben wir in den 80er Jahren Elterninitiativen gegründet und als Alternative zu städtischen oder kirchlichen Einrichtungen so ausgebaut, dass wir schon damals das Wort "work-life-balance" "leben" konnten. Heute gilt das mehr denn je, also hänge ich immernoch, meinen Kindern und den vier herzallerliebsten Enkelinnen und Enkeln zuliebe,  in der frühkindlichen Erziehung und helfe mit, die "KiTaSzene in Elternträgerschaft" zu qualifizieren. Quantum

Damit nicht nur Schule mein Leben und die Freizeit bestimmt, gibt es seit fast 30 Jahren die im Tal legendäre Band "KnappDaneben", in der ich das Baritonsaxophon spiele. KnappDaneben

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